Copy & Paste war gestern. MCP macht deinen Rechner KI-nativ.
Stellt euch vor: ChatGPT oder Claude sind nahtlos in euren Rechner integriert. Sie steuern Programme und haben Zugriff auf alle Dateien. Klingt futuristisch? Auf meinem Rechner ist das schon heute so…
Zugegeben: Massentauglich ist das (noch) nicht, denn die Installation im Entwicklermodus ist etwas ruckelig. Aber mit ein bisschen Geschick absolut machbar! Und natürlich gibt es noch nicht für jedes Programm eine Anbindung, aber das wird sicherlich kommen!
Wie das funktioniert?
In meinem Fall habe ich den Claude Desktop mit einem sogenannten Model Context Protocol (MCP) verbunden. Damit erhält Claude (ein LLM wie ChatGPT) Zugriff auf meinen Rechner.
MCP steht übrigens für Model Context Protocol und wurde von Anthropic (das Start-up hinter Claude) als offener Schnittstellenstandard eingeführt. Es standardisiert die Integration von KI-Modellen (insbesondere LLMs) mit externen Tools, Datenquellen und APIs – modular, wiederverwendbar und sicher. Die Verbreitung ist flott: Anfang 2025 kündigten OpenAI und Google DeepMind ihre Unterstützung an, und Microsoft nutzt MCP bereits in Copilot Studio – einem grafischen Low-Code-Tool zur Erstellung von Agenten und Agenten-Flows.
Könnt ihr euch ausmalen, was das für unsere Arbeit bedeutet? Nahtloses Arbeiten mit der KI, direkt in der Umgebung eures Rechners. Das heißt: Zugriff auf alle (natürlich nur die von euch freigegebenen) Informationen und die Möglichkeit, komplexe Software ohne Vorwissen zu bedienen. Blender, ein 3D-Modelling-Tool, bietet zum Beispiel bereits einen MCP-Server an. Die Steuerung durch KI ist damit für einen Laien möglich. Ein einfacher Befehl im Chat mit dem LLM reicht und Blender baut dir dein 3D-Modell. Text zu 3D, quasi…
Ich selbst habe u.a. mit dem Filesystem-MCP-Server gearbeitet und Claude z.B. Zugriff auf eine anonymisierte „Change Impact Analyse“ gegeben – somit natürlich datenschutzkonform. Claude konnte nicht nur die Excel-Datei lesen, sondern gemeinsam mit mir Lösungen entwickeln und diese sogar direkt an der richtigen Stelle in der Excel-Datei einfügen. Auch Formatierungen waren möglich, auch wenn letzteres etwas gedauert hat. Aber hey: das wird schon noch schneller!
MCP funktioniert übrigens auch lokal. Das bedeutet, eure Daten bleiben in diesem Fall bei euch. Für OLLAMA, eine Plattform zur lokalen Ausführung von Sprachmodellen, existieren bereits entsprechende Anbindungen.
Und das verändert alles.
Wenn wir nicht mehr als Mittler zwischen Tool und Datei agieren, wird Arbeit flüssiger. Kollaboration mit KI fühlt sich natürlicher an. Der Zugriff auf Informationen wird kontextbezogen.
Auf Team- und Organisationsebene werden sich ungeahnte Kräfte entwickeln, wenn man sich vorstellt, dass alle gemeinsam mit der Power der KI an einem Strang ziehen. Eine mit der KI und den Mitarbeitenden geteilte Version von Vision, Strategie, Zielen und Aufgaben – ergänzt durch kontextabhängige Hinweise in Echtzeit, smarte Priorisierung nach Relevanz und automatisch vorgeschlagene nächste Schritte durch die KI.
Unternehmen müssen heute mit der Transformation starten. Daraus lernen, anpassen, wiederholen. Das ist der Weg. Dies gelingt am besten durch kleine, strategisch ausgerichtete Experimente mit KI-affinen Mitarbeitenden.
Der Weg wird ein Marathon sein, kein Sprint. Welche kleinen Schritte geht ihr heute schon – und was bremst euch noch aus?
